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Freiluftkühlschrank

Dürrenstein

Holzhüttenboden - Herren Alm
Ybbstaler Alpen, Nov. 2003

Dürrenstein

Von Thomas Rambauske

Intro

Der "dürre Stein", dessen Wasser in unzähligen ober- und unterirdischen Karstklüften, Dolinen und Ponoren verschwindet, im Innern des Berges gewaltige Höhlensysteme durchrauscht (eine der größten Höhlen - die Lechnerweidhöhle - misst rund 3 km und weist einen Höhenunterschied von über 400 m auf) und in Form mächtiger Quellen und Seen wieder zu Tage tritt, gehört zu den absoluten Kostbarkeiten Ostösterreichs. An der Südseite des Dürrensteins findet man die letzten Urwälder Österreichs mit einsam gelegenen Almwiesen, seltenen Pflanzen und Tieren.

Zwei Kriterien, die den Dürrenstein aber recht selektiv erscheinen lassen: Erstens gibt es keine Seite, über die er sich leicht und vor allem schnell besteigen lässt - unter viereinhalb Stunden gibt es keinen Weg. Zweitens die im wahrsten Sinne des Wortes kalte Schulter des Dürrensteins (zum Mikroklima siehe unten), an der schon manche Leichtgläubige und -bekleidete gescheitert sind.


Aufstieg

Holzhüttenboden (Parkplatz, 690m) - Taglesgraben - Herren Alm (1327m) - Leonhardi Kreuz (1406m) - Dürrenstein (1878m)

HM ca. 1200 m / GZ 4,5 - 5 St.


Hütte auf der Herren Alm


Selbstbedienungs-Freiluftkühlschrank

Zwischen Holzhüttenboden (bei Neuhaus/Zellerrain) und Langau liegt ein kleiner Parkplatz, wo das Auto abgestellt werden kann. Von dort leiten Wegweiser in Richtung Herrenalm und Dürrenstein (Ybbstaler Hütte, 6,5 St.). Der "Alpinweg" verläuft zunächst entlang des Tagles Baches bis zum Wegweiser "Herrenalm/Dürrenstein", dann ein kurzes Stück auf einer Forststraße, wieder rechts in den Mischwald, bis ein befestigter breiter Weg in Serpentinen etwas steiler bergauf führt. Sobald dieser Weg in eine klammartige Verengung mündet, mit einem Wasserfall links und der Felswand des Kleinreiser Kogels rechts, wird's besonders reizvoll. Bis dahin ist nichts anderes zu hören als das Rauschen des Baches und das Rascheln der Blätter unter unseren Füßen.

Über dem Wasserfall dann ein dem Hl. Leonhard geweihtes Kreuz und die Hütte der Herrenalm. Eine besonders urige Hütte übrigens: Aus Baumstämmen geschnitzte Stühle, ein hölzerner Traktor, klobige Tische wie von anno dazumal, die Überreste einer Fliegerbombe, die bei Grabungen in Hüttennähe entdeckt wurde, und ein von Fließwasser gespeister Selbstbedienungs-Freiluftkühlschrank mit garantiert eisgekühltem Bier und Kassa: 2 Euro für ein "Hülserl" - eigentlich spottbillig für diesen Luxus. Bis hierher kann die Tour auch Familien mit Kindern empfohlen werden: 2 Stunden Marsch durch Märchenwald, Bächen entlang und diese Alm - für Kinder ab 8 sicher ein traumhaftes Erlebnis.

Nun über baumlose Almen zum Leonhardi Kreuz (1406m), wo linker Hand auch schon der Dürrensteingipfel winkt, weit weg scheinbar, nah aber in Wirklichkeit. Über Wiesengelände links den Bodenmarkierungen nach (Vorsicht im Winter, wenn die Steinmalereien von Schnee bedeckt sind!) in immer enger werdende Latschengassen. Eine tiefe Doline wird rechts umgangen, der Grat geradewegs angesteuert und über den steinigen Nordrücken des Dürrenstein zum Kreuz mit Corpus (erst 2001 vom Alpenverein saniert). Die Aussicht auf Ötscher, Hochschwab ist grandios, die Kälte und der eisige Wind dort oben ebenfalls - wen wundert's, befindet man sich doch inmitten eines riesigen Freiluftkühlschranks.


Herrenboden - Leonhardikreuz


Abstieg

W.o, GZ 3,5 - 4 Stunden
Abstieg entweder den Aufstiegsweg retour oder - so ein Taxi abgestellt - durch das Seetal am Obersee vorbei zum Lunzer See.

Arktische Temperaturen am Dürrenstein

Bekannt ist der Dürrenstein durch seine, sich durch Miniatur-Inversionen bildenden Kälteseen, in denen in der Vergangenheit mehrmals Werte von minus 50 Grad gemessen wurden. Im März 1932 stellten Meteorologen im Grünloch gar arktische minus 52,6 Grad fest - die tiefste je in Mitteleuropa gemessene Temperatur. Also Vorsicht im Winter!


Schwierigkeiten:
Da der Dürrenstein gerne sein eigenes arktisches Mikroklima entwickelt (siehe oben), ist ab Spätherbst auf die passende Ausrüstung zu achten.
Höhenmeter: 1200 m
Gesamtgehzeit: ca. 8-9 Stunden
Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober
Kinder: Ab 8 (bis Herrenalm), die gesamte Tour ab 15
Hund und Katz': Für trainierte Alpin-Hunde gut geeignet
Ausrüstung: Pack-Checkliste >>>
Einkehrmöglichkeiten: Herrenalm (nur im Sommer)
Karte: Freytag & berndt, WK 031 "Ötscherland - Mariazell - Scheibbs - Lunzer See"